Mein neues Büro

Mein neues Büro ist fertig. Zwar bin ich nur innerhalb des Gebäudes umgezogen, aber irgendwie macht das trotzdem einen Unterschied.

Meine „Firmengruppe“ bewohnt etwa 2.000 wunderschöne Quadratmeter in Köln-Ehrenfeld. Mein Partner Matthias und ich haben damals gemeinsam mit unseren Mitarbeitern die neuen Räumlichkeiten geplant. In enger Absprache mit dem Bauherrn durften wir das Gebäude dann vor rund drei Jahren fertig bauen lassen. Mit unserem Wandel zu einer agilen Organisation haben wir heute aber natürlich ganz neue räumliche Anforderungen. Denn genau wie die Firmen selbst sind die Arbeitsplätze dort ständig in Bewegung.

Geplant haben wir damals Team- und Einzelbüros für ein bis vier Personen. Wir waren und sind von sogenannten Open-Space-Konzepten nicht überzeugt. Trotzdem möchten einige der neu formierten, cross-funktionalen Teams oft gerne räumlich möglichst eng zusammensitzen.

Einfach mal Wände einreißen

Deshalb darf nun jedes Team individuell entscheiden, wie es seine Raumsituation gestaltet. Einige Kollegen haben sich dafür entschieden, eine Wand zwischen zwei Viererbüros einzureißen, um damit einen großen Raum zu schaffen. Baulich war das relativ schnell gelöst. Zweier-, Dreier- und Viererbüros bestehen aber weiterhin, damit vor allem kleinere Teams, die sehr kreativ arbeiten oder viel Kundenkontakt haben, ihren Ruheraum beanspruchen können.

In den großen Achterbüros findet nun das gesamte Team-Leben statt. Jeder Raum ist wie ein kleiner Mikrokosmos mit Dailys, beruflichen und privaten Unterhaltungen, Kinder- und Hundebesuch, bunten Pinnwänden, Probearbeitern und Post-It-Ansammlungen. Für spezielle Termine und Besprechungen haben wir eine Vielzahl von großen und kleinen Besprechungszonen und -räumen im Unternehmen. Die werden reichlich genutzt, zum Beispiel zum Playstation spielen, Mittags für die Meditation, für intimere Reviews oder große Kundentermine. 

Achterbüro: Weniger Wand, mehr Team <Quelle: kernpunkt Digital>

Vernetzung ist das A und O – eben auch räumlich

Alle Firmen sind derzeit noch am gleichen Standort. Anfangs haben wir Inhaber versucht, eine strikte räumliche Trennung aufrecht zu erhalten, einfach der Ordnung wegen. Wir dachten, aus rechtlichen und buchhalterischen Gründen macht das durchaus Sinn. Aber genau wie innerhalb einer einzelnen Organisation ist auch zwischen eng vernetzten Organisationen nicht alles so klar und einfach in Prozesse und Regeln zu gießen. Wir haben uns also relativ schnell wieder von der Trennungsidee verabschiedet.   

Es war nicht nur furchtbar unpraktisch, wenn wir plötzlich klingeln und warten mussten, um zum Beispiel für Absprachen von einer zur anderen Firma zu gelangen. Viele unserer Mitarbeiter kritisierten zudem den eingeschränkten Kontakt untereinander. Terminliche, fachliche und auch private Vernetzung funktionierte plötzlich nicht mehr barrierefrei. Das drückte auf die Stimmung. Was wir gelernt haben? Anstatt künstliche Abgrenzungen zu schaffen sollten Unternehmer die Komplexität dieser Beziehungsgeflechte akzeptieren und auch räumlich zulassen.  

Zweierbüro von Judith und Igor bei kernpunkt: „Mal eben quatschen.“ <Quelle: kernpunkt Digital>

Mittendrin statt nur dabei

Und ich? Sitze derzeit wieder mitten im kernpunkt-Geschehen! Das tue ich ganz bewusst. Ich möchte näher an meinen Mitarbeitern dran sein, für Gespräche direkt zur Verfügung stehen und die Atmosphäre unverfälscht miterleben. Derzeit arbeite ich strategisch und beratend wieder enger mit einzelnen Kollegen zusammen. Wir diskutieren Themen und stoßen sie an, probieren weiter Neues aus und lernen gemeinsam. Im einsamen Elfenbeinturm würde das nicht funktionieren.

Vielleicht sitze ich in ein paar Monaten wieder woanders, wer weiß. Kann sein, dass mich neue Themenfelder oder Strukturen an neue Arbeitsorte transportieren oder ich einfach das Bedürfnis habe, woanders aktiv zu wirken. Meine Mitarbeiter wechseln ständig ihre Arbeitsplätze, weil sie Teams neu zusammensetzen, Räume umfunktioniert werden oder sie einfach einen neuen Wirkungsort ausprobieren möchten. Unsere Firmen-Philosophie unterstützt diese Bedürfnisse und Veränderungen schnell und konkret. Wie gesagt, wir reißen auch Wände ein, wenn es sein muss. 

Mein neues Büro: Sonnenseite und mittendrin im Geschehen <Quelle: Privat>

Büro als Statussymbol? Brauche ich nicht.

Für viele Führungsverantwortliche ist das eigene Büro auch ein Statussymbol. Möglichst groß soll es sein, teure und exquisite Möbel beherbergen. Von dieser Einstellung habe ich mich verabschiedet. Früher hatte ich ein Viererbüro für mich allein. Den Luxus eines Einzelbüros mit Besprechungsecke wollte ich lange Zeit nicht aufgeben. Heute ist mein Büro viel kleiner, nicht mehr „repräsentativ“ würden einige Anhänger von Statussymbolen wahrscheinlich anmerken. Aber ganz ehrlich: Ich bin zufrieden damit.

Comments (1)

Lieber Simon,

Ich kann nur bestätigen, dass eure Räume so hell und inspirierend wirken wie euer gesamtes Konzept der Organisation. Danke für die Einblicke.

Viele Grüße

Axel

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